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Referenz

SENIAM-Elektrodenpositionen — alle 26 Muskeln auf einen Blick

SENIAM (Surface ElectroMyoGraphy for the Non-Invasive Assessment of Muscles, 1996–1999) ist das europäische Konsensprojekt, dessen Empfehlungen den Standard für die Oberflächen-EMG-Elektrodenplatzierung definieren: bipolare Ag/AgCl-Elektroden mit ≤ 10 mm leitendem Durchmesser, 20 mm Abstand, parallel zu den Fasern, an einer Position, die als Anteil einer Linie zwischen tastbaren Landmarken angegeben ist — plus Referenzelektrode auf inaktivem Gewebe und 10–500 Hz Aufzeichnungsbandbreite. Die Tabelle unten listet Position, Orientierung und Testbewegung für jeden SENIAM-Muskel, wie auf EMG Guide dokumentiert (26 bilaterale Paare); jede Zeile verlinkt die vollständige Muskelseite mit Ausgangsstellung, Quellen und Messpraxis-Hinweisen.

Stand 2026-08-17 5 Min. Lesezeit

Die SENIAM-Sensorregeln

Vor den Positionen die vier Regeln, die für alle gelten (Hermens et al. 2000):

  1. Elektroden: vorgegelt Ag/AgCl, leitende Fläche ≤ 10 mm Durchmesser (rund oder Balken).
  2. Elektrodenabstand: 20 mm Mitte zu Mitte; bei sehr kleinen Muskeln kleiner, aber nie mehr als ein Viertel der Faserlänge.
  3. Ort und Orientierung: auf dem Muskelbauch, zwischen Innervationszone und distaler Sehne, parallel zur Faserrichtung — festgelegt über den Landmarkenanteil in der Tabelle.
  4. Referenzelektrode: auf elektrisch inaktivem Gewebe (Handgelenk, Sprunggelenk, C7, Beckenkamm, Patella …).

Verstärker: Eingangsimpedanz > 100 MΩ, CMRR > 95 dB, Rauschen < 1 µV RMS, Bandbreite 10–500 Hz, Abtastung ≥ 1000 Hz (siehe Datenblatt-Artikel). Hautvorbereitung, Fixierung und Signal-Check stehen im Platzierungs-Leitfaden.

Die SENIAM-Sensorregeln als Bild: 20 mm Elektrodenabstand, Paar auf dem Muskelbauch parallel zu den Fasern, Referenz über elektrisch inaktivem Gewebe.
Die SENIAM-Sensorregeln als Bild: 20 mm Elektrodenabstand, Paar auf dem Muskelbauch parallel zu den Fasern, Referenz über elektrisch inaktivem Gewebe.

Die 26 SENIAM-Muskeln

MuskelElektrodenpositionOrientierungTestbewegung
Oberer Trapezmuskel
M. Trapezius Pars Descendens · Kopf & Nacken
50% auf Linie von Acromion zu Wirbelsäule C7Richtung Linie Acromion–C7Schulter gegen Widerstand anheben (Schulterzucken)
Mittlerer Trapezmuskel
M. Trapezius Pars Transversa · Schulter
50% zwischen medialem Scapularand und T3Horizontal, Richtung Wirbelsäule–ScapulaSchulterblätter zusammenziehen gegen Widerstand (Retraktion)
Unterer Trapezmuskel
M. Trapezius Pars Ascendens · Schulter
2/3 auf Linie von Trigonum spinae zu T8Richtung Trigonum spinae–Th8Arm über Kopf heben, Schulterblatt senkt sich nach unten-innen
Vorderer Deltamuskel
M. Deltoideus Pars Clavicularis · Schulter
1 Fingerbreite distal und anterior des AcromionsRichtung Acromion–DaumenArm nach vorne anheben (Flexion) gegen Widerstand
Mittlerer Deltamuskel
M. Deltoideus Pars Acromialis · Schulter
Größte Wölbung des MuskelsRichtung Acromion–lateraler EpicondylusArm seitlich anheben (Abduktion 90°) gegen Widerstand
Hinterer Deltamuskel
M. Deltoideus Pars Spinalis · Schulter
2 Fingerbreiten hinter dem AcromionwinkelRichtung Acromion–kleiner FingerArm nach hinten führen (Extension) gegen Widerstand
Zweiköpfiger Oberarmmuskel
M. Biceps Brachii · Oberarm
1/3 auf Linie zwischen Fossa cubitalis und AcromionParallel zur Linie Fossa cubitalis–AcromionEllenbogenflexion gegen Widerstand bei supiniertem Unterarm
Seitlicher Trizeps
M. Triceps Brachii Caput Laterale · Oberarm
50% auf Linie zwischen Acromion und Olecranon, 2cm lateralParallel zur Linie Acromion–OlecranonEllenbogenextension gegen Widerstand
Langer Trizeps
M. Triceps Brachii Caput Longum · Oberarm
50% auf Linie zwischen Acromion und Olecranon, mittig posteriorParallel zur Linie Acromion–OlecranonEllenbogenextension gegen Widerstand bei leicht retrovertiertem Arm
Darmbein-Rippenmuskel
M. Iliocostalis Lumborum · Rumpf Hinten
2 Fingerbreiten lateral L2, oberhalb Crista iliacaParallel zur Wirbelsäule (vertikal)Rumpfextension aus Bauchlage gegen Widerstand
Längster Rückenmuskel
M. Longissimus Thoracis · Rumpf Hinten
2 Fingerbreiten lateral L1Parallel zur Wirbelsäule (vertikal)Rumpfextension aus Bauchlage gegen Widerstand
Vielspaltiger Muskel
M. Multifidus · Rumpf Hinten
Auf Höhe L5, medial der Linie SIPS-L1/L2Leicht schräg entlang der Linie SIPS–L1/L2Rumpfextension aus Bauchlage mit leichter Rotation gegen Widerstand
Großer Gesäßmuskel
M. Gluteus Maximus · Hüfte
50% auf Linie zwischen Sacrum und Trochanter majorParallel zur Linie Sacrum–Trochanter majorHüftextension aus Bauchlage gegen Widerstand bei gebeugtem Knie
Mittlerer Gesäßmuskel
M. Gluteus Medius · Hüfte
50% auf Linie zwischen Crista iliaca und Trochanter majorParallel zur Linie Crista iliaca–Trochanter majorHüftabduktion in Seitenlage gegen Widerstand
Oberschenkelbindenspanner
M. Tensor Fasciae Latae · Hüfte
Proximal 1/6 auf Linie SIAS-lateraler FemurkondylusParallel zur Linie SIAS–lateraler FemurkondylusHüftflexion mit Abduktion und Innenrotation gegen Widerstand
Gerader Oberschenkelmuskel
M. Rectus Femoris · Oberschenkel Vorne
50% auf Linie von SIAS zum oberen PatellarandParallel zur Linie SIAS–oberer PatellarandKnieextension im Sitzen gegen Widerstand
Äußerer Schenkelmuskel
M. Vastus Lateralis · Oberschenkel Vorne
2/3 auf Linie von SIAS zum lateralen Patellarand20° zur Linie SIAS–lateraler PatellarandKnieextension im Sitzen gegen Widerstand
Innerer Schenkelmuskel
M. Vastus Medialis · Oberschenkel Vorne
80% auf Linie von SIAS zur Vorderkante des medialen LigamentsCa. 80° zur Linie SIAS–medialer GelenkspaltEndgradige Knieextension (letzte 15°) gegen Widerstand
Langer Kopf des Bizeps Femoris
M. Biceps Femoris Caput Longum · Oberschenkel Hinten
50% auf Linie zwischen Tuber ischiadicum und lateralem EpicondylusParallel zur Linie Tuber ischiadicum–lateraler EpicondylusKnieflexion in Bauchlage gegen Widerstand mit Außenrotation des Fußes
Halbsehnenmuskel
M. Semitendinosus · Oberschenkel Hinten
50% auf Linie zwischen Tuber ischiadicum und medialem EpicondylusParallel zur Linie Tuber ischiadicum–medialer EpicondylusKnieflexion in Bauchlage gegen Widerstand mit Innenrotation des Fußes
Innerer Wadenmuskel
M. Gastrocnemius Caput Mediale · Unterschenkel
Proximalster Teil des medialen MuskelbauchsParallel zur Längsachse des UnterschenkelsZehenstand (einbeinig) oder Plantarflexion gegen Widerstand bei gestrecktem Knie
Äußerer Wadenmuskel
M. Gastrocnemius Caput Laterale · Unterschenkel
Proximalster Teil des lateralen MuskelbauchsParallel zur Längsachse des UnterschenkelsZehenstand (einbeinig) oder Plantarflexion gegen Widerstand bei gestrecktem Knie
Schollenmuskel
M. Soleus · Unterschenkel
2/3 auf Linie vom medialen Femurkondylus zum Malleolus medialisParallel zur Längsachse des UnterschenkelsPlantarflexion gegen Widerstand bei gebeugtem Knie (isoliert vom Gastrocnemius)
Vorderer Schienbeinmuskel
M. Tibialis Anterior · Unterschenkel
1/3 auf Linie von Fibulaköpfchen zu medialem MalleolusParallel zur Linie Fibulaköpfchen–medialer MalleolusDorsalextension des Fußes mit Inversion gegen Widerstand
Langer Wadenbeinmuskel
M. Fibularis Longus · Unterschenkel
25% auf Linie vom Fibulaköpfchen zum lateralen MalleolusParallel zur FibulaEversion des Fußes gegen Widerstand
Kurzer Wadenbeinmuskel
M. Fibularis Brevis · Unterschenkel
Bei 25 % der Verbindungslinie von der Spitze des Malleolus lateralis zum Fibulaköpfchen, vor der Sehne des M. peroneus longusIn Richtung der Linie Malleolus lateralis - Fibulaköpfchen, Elektrodenabstand 20 mmEversion des Fußes gegen Widerstand

Die Positionen sind aus den SENIAM-Empfehlungen paraphrasiert; die Muskelseite jedes Eintrags nennt Ausgangsstellung, klinischen Kontext und Messpraxis-Hinweise (Übersprechen, Artefakte, Ableitungstyp nach Cram's).

Was SENIAM nicht abdeckt

  • Muskeln außerhalb des Satzes. SENIAM umfasst rund 30 Stellen; die übrigen 80 Muskeln auf EMG Guide nutzen Positionen aus benannten begutachteten Quellen (Cram's Atlas, Rainoldi 2004, Falla 2002, Król 2007 …). Sie sind auf jeder Seite so gekennzeichnet.
  • Tiefe oder überdeckte Muskeln. Iliopsoas, Supraspinatus, Rhomboideen, Levator scapulae, Tibialis posterior und andere brauchen Feindraht-EMG — warum. Für einen bestimmten Muskel den Messbarkeits-Check nutzen.
  • Spezifitätsgrade. SENIAM standardisiert Positionen, stuft aber nicht ein, wie selektiv jede Stelle ableitet; das kommt aus Cram's (spezifisch vs. quasi-spezifisch).
  • Interpretation. SENIAM sagt, wo man ableitet, nicht, was eine Amplitude bedeutet — siehe Normalisierung und welcher Parameter welche Frage beantwortet.

Muskeln in diesem Artikel

Von der Platzierung zur Messung

EMG Guide zeigt, wo die Elektroden hingehören. easyEMG mit PicoBlue-Sensoren visualisiert danach das Signal live — SENIAM-konform, in Echtzeit, mit Signal-Check am Bildschirm.

Häufige Fragen

Wie viele Muskeln umfasst SENIAM?

Rund 30 einzelne Stellen (manche Muskeln mit mehreren Anteilen, z. B. die drei Trapezius- und drei Deltoideus-Anteile); auf EMG Guide sind das 26 bilaterale Paare = 52 Muskeleinträge.

Ist SENIAM noch der Standard?

Ja. Die Empfehlungen von 1999/2000 bleiben die Referenz, die von den meisten Oberflächen-EMG-Studien und von den ISEK-Berichtsstandards zitiert wird; spätere Arbeiten (Rainoldi 2004, Barbero et al. 2012) haben einzelne Positionen mit Innervationszonen-Karten verfeinert, das Rahmenwerk aber nicht ersetzt.

Wo kann ich das Original lesen?

Hermens et al. 2000 im Journal of Electromyography and Kinesiology und die SENIAM-Projektpublikation (Roessingh Research and Development 1999); die Platzierungsseiten stehen auch auf www.seniam.org.

Kann ich diese Tabelle drucken?

Ja — die Seite druckt als einfache Tabelle. Jeder EMG-Guide-Abonnent erhält außerdem das kostenlose PDF mit 40 Muskelprotokollen inklusive aller SENIAM-Positionen.

Quellen

  1. Hermens HJ, Freriks B, Disselhorst-Klug C, Rau G. Development of recommendations for SEMG sensors and sensor placement procedures. J Electromyogr Kinesiol. 2000;10(5):361–374.
  2. Hermens HJ, Freriks B, Merletti R, et al. European Recommendations for Surface Electromyography — Results of the SENIAM project. Roessingh Research and Development; 1999.
  3. SENIAM-Projektwebsite, Sensorplatzierungs-Empfehlungen (www.seniam.org).
  4. Stegeman DF, Hermens HJ. Standards for surface electromyography: the European project “Surface EMG for non-invasive assessment of muscles (SENIAM)”. 2007.

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